clock

HWCLOCK(8)                    System-Administration                   HWCLOCK(8)



BEZEICHNUNG
       hwclock - Zeituhren-Hilfswerkzeug

ÜBERSICHT
       hwclock [Funktion] [Option …]

BESCHREIBUNG
       hwclock ist ein Administrationswerkzeug für die verschiedenen Uhren. Es
       kann die aktuelle Hardware-Uhrzeit anzeigen, die Hardware-Uhr auf eine
       angegebene Zeit stellen, die Hardware-Uhr nach der Systemzeit stellen
       oder umgekehrt, eine Hardware-Uhr-Abweichung ausgleichen, die Zeitskala
       der Systemuhr korrigieren, die Zeitzone des Kernels, die NTP-Zeitskala
       und die Epoche (nur Alpha) setzen und zukünftige Hardware-Uhrwerte,
       basierend auf der Abweichungsrate, vorhersagen.

       Seit v2.26 gibt es wichtige Änderungen an der Funktion --hctosys, der
       Option --directisa und eine neue Option --update-drift wurde hinzugefügt.
       Lesen Sie die entsprechenden Beschreibungen unten.

FUNKTIONEN
       Die folgenden Funktionen schließen sich gegenseitig aus, nur eine kann
       ausgewählt werden. Die Vorgabe ist --show, falls keine angegeben wurde.

       -a, --adjust
              fügt Zeit zur Hardware-Uhr hinzu oder zieht diese ab, um eine
              systematische Abweichung seit dem letzten Setzen oder Anpassen der
              Hardware-Uhr auszugleichen. Siehe die nachfolgende Erklärungen
              unter Die Adjust-Funktion.

       --getepoch
       --setepoch
              Diese Funktionen sind nur für Alpha-Maschinen. Sie sind nur durch
              den Linux-Kernel-RTC-Treiber verfügbar.

              Sie werden verwandt, um den Kernel-Wert der Hardware-Uhr-Epoche zu
              lesen und zu setzen. Epoche ist das Jahr, auf dass sich der
              Nullwert der Hardware-Uhr bezieht. Wenn das BIOS der Maschine zum
              Beispiel die Konvention verwenden, dass die Jahreszählung in der
              Hardware-Uhr die Anzahl der vollen Jahre seit 1952 enthält, dann
              muss der Epochenwert der Hardware-Uhr des Kernels auf 1952 gesetzt
              werden.

              Die Funktion --setepoch benötigt die Option --epoch, um das Jahr
              festzulegen. Beispiel:

                  hwclock --setepoch --epoch=1952

              Der RTC-Treiber versucht, den korrekten Wert der Epoche zu raten,
              daher kann es nicht notwendig sein, ihn anzugeben.

              Dieser Epochenwert wird verwendet, wenn hwclock die Hardware-Uhr
              auf einer Alpha-Maschine ausliest oder stellt. Für ISA-Maschinen
              verwendet der Kernel die feste Hardware-Uhr-Epoche 1900.

       --predict
              sagt basierend auf der mit der Option --date angegebene Zeit und
              der Information in /etc/adjtime vorher, was die Hardware-Uhr in
              der Zukunft anzeigen wird. Dies ist zum Beispiel nützlich, um
              Abweichungen zu berücksichtigen, wenn das Hardware-Uhr-Aufwachen
              (d.h. ein Alarm) eingerichtet wird. Siehe rtcwake(8).

              Verwenden Sie diese Funktion nicht, falls die Hardware-Uhr durch
              irgendetwas anderes als den Befehl hwclock des aktuellen
              Betriebssystems verändert wird, wie dem »11-Minuten-Modus« oder
              durch das Starten eines anderen Betriebssystems.

       -r, --show
       --get
              liest die Hardware-Uhr und schreibt ihre Zeit in die
              Standardausgabe im ISO 8601-Format. Die angezeigte Zeit ist stets
              die lokale Zeit, selbst wenn Sie die Hardware-Uhr auf die Weltzeit
              (UTC) eingestellt haben, siehe die Option --localtime.

              Die Anzeige der Hardware-Uhrzeit ist die Vorgabe, falls keine
              Funktion angegeben ist.

              Die Funktion --get wendet auch Korrekturen für die Abweichung auf
              die eingelesene Zeit an, basierend auf Informationen aus
              /etc/adjtime. Verwenden Sie diese Funktion nicht, falls die
              Hardware-Uhr von irgendetwas anderem außer dem Befehl hwclock des
              aktuellen Betriebssystems verändert wird, wie dem
              »11-Minute-Modus« oder vom Dualstarten eines anderen
              Betriebssystems.

       -s, --hctosys
              stellt die Systemuhr aus der Hardware-Uhr. Die aus der
              Hardware-Uhr eingelesene Zeit wird bezüglich der systematischen
              Abweichung ausgeglichen, bevor die Systemuhr gestellt wird. Lesen
              Sie die Diskussion weiter unten, unter Die Adjust-Funktion.

              Die Systemzeit muss in der UTC-Zeitskala gehalten werden, damit
              Anwendungen im Zusammenhang mit der für das System konfigurierten
              Zeitzone arbeiten. Falls die Hardware-Uhr in der lokalen Zeit
              gehalten wird, dann muss die daraus gelesene Zeit in die
              UTC-Zeitskala verschoben werden, bevor sie zum Setzen der
              Systemuhr verwandt wird. Die Funktion --hctosys erledigt dies
              basierend auf den Informationen in der Datei /etc/adjtime oder aus
              den Befehlszeilenargumenten --localtime und --utc. Hinweis: Es
              wird keine Sommerzeitanpassung durchgeführt. Siehe die Diskussion
              weiter unten unter LOKAL vs. UTC.

              Der Kernel hält auch einen Zeitzonenwert, die Funktion --hctosys
              setzt ihn auf den für das System konfigurierten Wert. Die
              Systemzeitzone wird durch die TZ-Umgebungsvariable oder die Datei
              /etc/localtime konfiguriert, wie tzset(3) sie interpretieren
              würde. Das veraltete Feld »tz_dsttime« des Kernel-Zeitzonenwerts
              wird auf Null gesetzt. Details zur ehemaligen Bedeutung dieses
              Feldes finden Sie in settimeofday(2).

              Wird die Funktion --hctosys durch Verwendung in einem
              Systemstartskript der erste Aufrufer von settimeofday(2), dann
              wird über die Kernelvariable persistent_clock_is_local der NTP-‐
              »11-Minuten-Modus« gesetzt. Falls die
              Hardware-Uhr-Zeitskalenkonfiguration geändert wird, ist ein
              Systemneustart notwendig, um den Kernel zu informieren. Lesen Sie
              die Diskussion weiter unten unter Automatischer Abgleich der
              Hardware-Uhr durch den Kernel.

              Dies ist eine gute Funktion für die Ausführung in einem der
              Startskripte des Systems bevor die Dateisysteme im
              Lese-/Schreibmodus eingehängt werden.

              Diese Funktion sollte niemals auf einem laufenden System verwandt
              werden. Springende Systemzeit führt zu Problemen, wie fehlerhaften
              Dateisystemzeitstempeln. Falls auch etwas die Hardware-Uhr
              geändert hat, wie NTPs »11-Minuten-Modus«, dann wird --hctosys die
              Zeit durch Berücksichtigung der Abweichungsausgleichung inkorrekt
              einstellen.

              Die Abweichungsausgleichung kann durch Setzen des
              Abweichungsfaktors in /etc/adjtime auf Null unterdrückt werden.
              Diese Einstellung ist dauerhaft, solange wie die Option
              --update-drift nicht zusammen mit --systohc beim Herunterfahren
              des Systems (oder irgendwann sonst) verwandt wird. Eine andere
              Möglichkeit, dies zu unterdrücken besteht durch die Option
              --noadjfile beim Einsatz der Funktion --hctosys. Eine dritte
              Methode besteht im Löschen der Datei /etc/adjtime. Hwclock wird
              dann standardmäßig die UTC-Zeitskala für die Hardware-Uhr
              verwenden. Falls die Hardware-Uhr in lokaler Zeit läuft, muss das
              in dieser Datei definiert werden. Dies kann durch Aufruf von
              hwclock --localtime --adjust erfolgen. Wenn die Datei nicht
              vorhanden ist, wird dieser Befehl nicht wirklich die Uhr anpassen
              sondern wird die Datei mit der konfigurierten lokalen Zeit und
              einem Abweichungsfaktor von Null anlegen.

              Eine Bedingung, unter der die Abweichungskorrektur von hwclock
              verhindert werden sollte, könnte beim Dualstart von mehreren
              Betriebssystemen vorliegen. Falls, während diese Instanz von Linux
              angehalten ist, ein anderes Betriebssystem die Hardware-Uhr
              stellt, dann wird die Abweichungskorrektur nach dem Start dieser
              Instanz bei der Anwendung inkorrekt sein.

              Damit die Abweichungskorrektur von hwclock korrekt funktioniert,
              ist es zwingend, dass nichts die Hardware-Uhr ändert, während die
              Linux-Instanz nicht läuft.

       --set  setzt die Hardware-Uhr auf die durch die Option --date angegebene
              Zeit und aktualisiert die Zeitstempel in /etc/adjtime. Mit der
              Option --update-drift wird der Abweichungsfaktor (neu) berechnet.
              Versuchen Sie, die Option wegzulassen, falls --set fehlschlägt.
              Siehe --update-drift unten.

       --systz
              Dies ist eine Alternative zu der Funktion --hctosys, die nicht die
              Hardware-Uhr liest und nicht die Systemzeit setzt. Entsprechend
              gibt es auch keine Korrektur der Abweichung. Sie ist für
              Hochfahrskripte auf Systemen mit Kerneln höher als 2.6 gedacht,
              bei denen Sie wissen, dass die Systemuhr bereits vom Kernel
              während des Systemstarts aus der Hardware-Uhr gesetzt wurde.

              Dies führt die folgenden Dinge aus, die weiter oben in der
              Funktion --hctosys beschrieben sind:

              • Korrigiert die Systemuhrzeitskala auf UTC wie benötigt. Anstatt
                aber dies durch Setzen der Systemuhr zu erreichen, informiert
                hwclock einfach den Kernel und der kümmert sich um die Änderung.

              • Setzt die NTP »11-Minuten-Modus«-Zeitskala des Kernels

              • Setzt die Zeitzone des Kernels

              Die ersten zwei sind nur beim ersten Aufruf von settimeofday(2)
              nach dem Systemstart verfügbar. Konsequenterweise ergeben diese
              Optionen nur bei der Verwendung in Systemstartskripten Sinn. Falls
              die Hardware-Uhr-Zeitskalenkonfiguration geändert wird, ist ein
              Systemneustart notwendig, um den Kernel zu informieren.

       -w, --systohc
              setzt die Hardware-Uhr aus der Systemuhr und aktualisiert die
              Zeitstempel in /etc/adjtime. Mit der Option --update-drift wird
              auch der Abweichungsfaktor (neu) berechnet. Versuchen Sie es ohne
              die Option, falls --systohc fehlschlägt. Siehe --update-drift
              weiter unten.

       -V, --version
              zeigt Versionsinformationen an und beendet das Programm.

       -h, --help
              zeigt einen Hilfetext an und beendet das Programm.

OPTIONEN
       --adjfile=Dateiname
              setzt den vorgegebenen Dateipfad /etc/adjtime außer Kraft.

       --date=Datumszeichenkette
              Diese Option muss zusammen mit den Funktionen --set oder --predict
              verwandt werden, andernfalls wird sie ignoriert.

                  hwclock --set --date='16:45'

                  hwclock --predict --date='2525-08-14 07:11:05'

              Das Argument muss in lokaler Zeit sein, selbst wenn Sie Ihre
              Hardware-Uhr in UTC halten. Siehe die Option --localtime. Daher
              sollte das Argument keine Zeitzoneninformationen enthalten. Es
              sollte auch keine relative Zeit wie »+5 minutes« sein, da hwclocks
              Genauigkeit von dem Zusammenhang zwischen dem Wert des Arguments
              und dem Zeitpunkt, zu dem die Eingabetaste gedrückt wird, abhängt.
              Sekundenbruchteile werden ohne Rückmeldung abgeschnitten. Diese
              Option kann viele Zeit- und Datumsformate erkennen, aber die
              vorhergehenden Parameter sollten beachtet werden.

       --delay=Sekunden
              Diese Option erlaubt es, die intern verwandte Verzögerung beim
              Setzen der Uhrzeit zu ändern. Die Vorgabe ist 0.5 (500 ms) für
              rtc_cmos, für andere RTC-Typen ist die Verzögerung 0. Falls der
              RTC-Typ nicht (aus Sysfs) bestimmt werden kann, dann ist die
              Vorgabe aufgrund der Rückwärtskompatibilität auch 0.5.

              Die Standardverzögerung von 500 ms basiert auf der häufig
              verwandten, MC146818A-kompatiblen (X86-)Hardwareuhr. Die
              Hardwareuhr kann nur auf ganzzahlige Zeiten plus eine halbe
              Sekunde gesetzt werden. Die Ganzzahlzeit ist notwendig, da es
              keine Schnittstelle gibt, um Sekundenbruchteile zu setzen oder
              abzufragen. Die zusätzliche halbe Sekunde Verzögerung erfolgt, da
              die Hardwareuhr sich auf die folgende Sekunde genau 500 ms nach
              dem Setzen der neuen Zeit aktualisiert. Unglücklicherweise ist
              dieses Verhalten hardwareabhängig und in einigen Fällen wird eine
              andere Verzögerung benötigt.


       -D, --debug
              Verwenden Sie --verbose. Die Option --debug ist veraltet und kann
              in einer zukünftigen Veröffentlichung einer neuen Verwendung
              zugeführt oder entfernt werden.

       --directisa
              Diese Option ist auf ISA-kompatiblen Maschinen (einschließlich X86
              und X86_64 von Bedeutung. Auf anderen Maschinen hat sie keine
              Auswirkungen. Diese Option weist hwclock explizit an,
              E/A-Anweisungen für den Zugriff auf die Hardware-Uhr vorzunehmen.
              Ohne diese Option versucht hwclock, die RTC-Gerätdatei zu
              verwenden, wobei angenommen wird, dass diese mit dem
              Linux-RTC-Gerätetreiber läuft. Seit v2.26 wird er nicht mehr
              automatisch directisa verwenden, wenn der RTC-Treiber nicht
              verfügbar ist. Dies führte zu unsicheren Bedingungen, die es
              erlaubten, dass zwei Prozesse auf die Hardware-Uhr gleichzeitig
              zugreifen konnten. Direkter Hardware-Zugriff aus dem Benutzerraum
              sollte nur zum Testen, zur Fehlersuche und als letzte Rettung,
              wenn alle anderen Methoden fehlschlagen, verwandt werden. Siehe
              die Option --rtc.

       --epoch=Jahr
              Diese Option ist notwendig, wenn die Funktion --setepoch verwandt
              wird. Das minimale Jahr ist 1900. Das maximale ist systemabhängig
              (ULONG_MAX - 1).

       -f, --rtc=Dateiname
              Setzt den Vorgabe-RTC-Dateinamen von hwclock außer Kraft.
              Andernfalls wird der erste aus der folgenden Liste (in dieser
              Reihenfolge) verwandt:
                  /dev/rtc0
                  /dev/rtc
                  /dev/misc/rtc
              Für IA-64:
                  /dev/efirtc
                  /dev/misc/efirtc

       -l, --localtime
       -u, --utc
              zeigt an, auf welche Zeitskala die Hardware-Uhr gesetzt ist.

              Die Hardware-Uhr kann konfiguriert sein, entweder UTC oder die
              lokale Zeitskala zu verwenden, allerdings gibt es nichts in der
              Uhr, das angibt, welche der Varianten gewählt wurde. Die Optionen
              --localtime und --utc übergeben diese Information an den Befehl
              hwclock. Falls Sie das Falsche festlegen (oder keines angeben und
              die falsche Voreinstellung nehmen) werden sowohl das Setzen als
              auch das Lesen der Hardware-Uhr inkorrekt sein.

              Falls Sie weder --utc noch --localtime angeben, dann wird die
              zuletzt mit der Setzen-Funktion (--set, --systohc oder --adjust)
              verwendete benutzt, wie dies in /etc/adjtime aufgezeichnet ist.
              Falls die adjtime-Datei nicht existiert, wird UTC als Vorgabe
              verwendet.

              Hinweis: Zeitübergangs-Änderungen können inkonsistent sein, falls
              die Hardware-Uhr in lokaler Zeit betrieben wird. Lesen Sie die
              Diskussion weiter unten unter LOKAL vs. UTC.

       --noadjfile
              deaktiviert die von /etc/adjtime bereitgestellten Leistungen.
              hwclock liest oder schreibt nicht in diese Datei, wenn diese
              Option angegeben ist. Entweder --utc oder --localtime müssen mit
              dieser Option angegeben werden.

       --test ändert tatsächlich nichts am System, d.h. die Uhren oder
              /etc/adjtime (diese Option impliziert --verbose).

       --update-drift
              aktualisiert den Abweichungsfaktor der Hardware-Uhr in
              /etc/adjtime. Sie kann nur zusammen mit --set oder --systohc
              verwandt werden.

              Zwischen Einstellungen ist minimal ein Abstand von vier Stunden
              notwendig. Damit werden ungültige Berechnungen vermieden. Je
              länger die Periode, desto präziser wird der sich ergebende
              Abweichungsfaktor sein.

              Diese Option wurde in v2.26 hinzugefügt, da typischerweise auf
              Systemen beim Herunterfahren hwclock --systohc aufgerufen wird.
              Mit dem alten Verhalten würde dabei automatisch der
              Abweichungsfaktor (neu) berechnet werden, wodurch mehrere Probleme
              entstanden:

              • Wird NTP mit einem »11-Minuten-Modus«-Kernel verwandt, würde der
                Abweichungsfaktor auf fast Null verfremdet.

              • Es würde nicht die Verwendung von »kalter«-Abweichungskorrektur
                erlauben. Bei den meisten Konfigurationen führt die »kalte«
                Abweichungskorrektur zu besseren Ergebnissen. Kalt bedeutet,
                wenn die Maschine ausgeschaltet ist, was eine wesentliche
                Auswirkung auf den Abweichungsfaktor haben kann.

              • (Neu-)Berechnung des Abweichungsfaktors bei jedem Herunterfahren
                führt zu suboptimalen Ergebnissen. Führen beispielsweise
                kurzzeitige Bedingungen dazu, dass die Maschine ungewöhnlich
                heiß wird, wäre die Abweichungsfaktorberechnung außerhalb des
                Gültigkeitsbereichs.

              • Signifikant erhöhte System-Runterfahrzeiten (bei v2.31 wird die
                RTC nicht gelesen, wenn --update-drift nicht verwandt wird).

              Die Berechnung des Abweichungsfaktors durch hwclock ist ein guter
              Start, aber für optimale Ergebnisse wird wahrscheinlich die Datei
              /etc/adjtime direkt bearbeitet werden müssen. Bei den meisten
              Konfigurationen braucht die Abweichung nicht mehr verändert zu
              werden, sobald der optimale Abweichungsfaktor erstellt wurde.
              Daher wurde das alte Verhalten, die Abweichung automatisch (neu)
              zu berechnen, geändert und benötigt nun dafür eine Option. Lesen
              Sie die Diskussion weiter unten unter Die Adjust-Funktion.

              Diese Option benötigt die Hardwareuhr vor ihrem Setzen. Falls sie
              nicht gelesen werden kann, wird diese Option zum Fehlschlag der
              Setzen-Funktion führen. Dies kann beispielsweise passieren, falls
              die Hardwareuhr durch einen Stromausfall beschädigt ist. In diesem
              Fall muss die Uhr zuerst ohne diese Option gesetzt werden.
              Abgesehen davon, dass sie nicht funktioniert, wäre der daraus
              resultierende Abweichungsfaktor sowieso ungültig.

       -v, --verbose
              zeigt mehr Details über die internen Vorgänge von hwclock an.

ANMERKUNGEN
   Uhren in einem Linux-System
       Es gibt zwei Arten von Datum-Zeit-Uhren:

       Die Hardware-Uhr: Diese Uhr ist ein unabhängiges Hardware-Gerät, mit
       seinem eigenen Energiebereich (Batterie, Kondensatoren, usw.), das läuft,
       wenn die Maschine ausgeschaltet oder sogar vom Netz getrennt ist.

       Auf einem ISA-kompatiblen System wird diese Uhr als Teil des
       ISA-Standards spezifiziert. Ein Steuerprogramm kann diese Uhr nur in
       ganzen Sekunden stellen oder auslesen, aber es kann auch die
       Signalübergänge der Ein-Sekunden-Impulse erkennen, so dass die Uhr über
       virtuell unendliche Präzision verfügt.

       Diese Uhr wird allgemein die Hardware-Uhr, die Echtzeituhr, die RTC, die
       BIOS-Uhr oder die CMOS-Uhr genannt. Der Begriff Hardware-Uhr wurde für
       hwclock gewählt. Der Linux-Kernel bezeichnet sie auch als beständige Uhr.

       Einige Nicht-ISA-Systeme haben ein paar Echtzeituhren, wobei nur eine
       davon ihre eigene Energieversorgung hat. Ein sehr energiesparender
       externer I²C- oder SPI-Uhrchip könnte mit einer Stützbatterie als
       Hardware-Uhr fungieren, um eine funktionellere integrierte Echtzeituhr zu
       initialisieren, die für die meisten anderen Zwecke verwendet wird.

       Die Systemuhr: Diese Uhr ist Teil des Linux-Kernels und wird durch einen
       Timer-Interrupt gesteuert (auf einer ISA-Maschine ist der Timer-Interrupt
       Teil des ISA-Standards). Sie ist nur von Bedeutung, solange Linux auf der
       Maschine läuft. Die Systemzeit wird als die Anzahl der Sekunden seit dem
       1. Januar 1970 um 00:00:00 Uhr Weltzeit ausgedrückt, oder anders
       formuliert, die Anzahl der seit 1969 UTC vergangenen Sekunden. Die
       Systemzeit ist dennoch keine Ganzzahl. Sie hat virtuell unbegrenzte
       Präzision.

       Die Systemzeit ist die Zeit, auf die es ankommt. Der grundlegende Zweck
       der Hardware-Uhr in einem Linux-System ist die Erhaltung der Zeit, wenn
       Linux nicht läuft, so dass die Systemzeit beim Systemstart daraus
       initialisiert werden kann. Beachten Sie, dass in DOS, wofür der
       ISA-Standard entworfen wurde, die Hardware-Uhr die einzig verfügbare
       Echtzeituhr ist.

       Es ist wichtig, dass die Zählung der Systemzeit nicht unterbrochen wird,
       zum Beispiel wenn Sie mit dem Befehl date(1) die Systemzeit setzen,
       während das System läuft. Sie können dennoch im laufenden Betrieb mit der
       Hardware-Uhr tun, was Sie wollen, und beim nächsten Linux-Start wird die
       Zeit der Hardware-Uhr entsprechend angepasst. Hinweis: Derzeit ist dies
       auf den meisten Systemen nicht möglich, da beim Herunterfahren
       hwclock --systohc aufgerufen wird.

       Die Zeitzone des Linux-Kernels wird durch hwclock gesetzt. Aber lassen
       Sie sich nicht in die Irre führen – beinahe niemand interessiert sich
       dafür, was der Kernel meint, in welcher Zeitzone er sich befindet.
       Stattdessen müssen Programme, für die die Zeitzone wichtig ist (um Ihnen
       beispielsweise die lokale Zeit anzuzeigen), fast immer einen etwas
       traditionelleren Weg wählen, um die Zeitzone zu ermitteln: Sie benutzen
       die TZ-Umgebungsvariable oder die Datei /etc/localtime, wie in der
       Handbuchseite zu tzset(3) erklärt. Jedoch nutzen einige Programme und
       Teile des Linux-Kernels dessen Zeitzonenwert, zum Beispiel Dateisysteme.
       Ein Beispiel hierfür ist das vfat-Dateisystem. Ist der Zeitzonenwert im
       Kernel falsch gesetzt, werden vom vfat-Dateisystem falsche Zeitstempel
       gemeldet und gesetzt. Ein weiteres Beispiel ist der
       NTP-11-Minuten-Modus-Modus des Kernels. Falls der Zeitzonenwert des
       Kernels und/oder die Variable persistent_clock_is_local falsch ist, dann
       wird die Hardware durch den 11-Minuten-Modus-Modus falsch gesetzt. Lesen
       Sie hierzu die Diskussion weiter unten, unter Automatischer Abgleich der
       Hardware-Uhr durch den Kernel.

       hwclock setzt den Kernel-Zeitzonenwert auf den durch die
       Umgebungsvariable TZ oder aus /etc/localtime mit den Funktionen --hctosys
       oder --systz angegebenen Wert.

       Der Zeitzonenwert des Kernels besteht aus zwei Teilen: erstens dem Feld
       »tz_minuteswest«, das die Anzahl der Minuten angibt, die die lokale Zeit
       (nicht an Sommer-/Winterzeit angepasst) gegenüber der Weltzeit
       zurückbleibt, und zweitens dem Feld »tz_dsttime«, welches angibt, ob am
       entsprechenden Ort gerade Sommer- oder Winterzeit herrscht. Dieses zweite
       Feld wird unter Linux nicht genutzt und wird stets auf 0 gesetzt. Siehe
       auch settimeofday(2).

   Zugriffsmethoden auf Hardware-Uhren
       hwclock verwendet viele verschiedene Arten, die Hardware-Uhr-Werte zu
       ermitteln und zu setzen. Der normale Weg besteht in E/A zu der besondere
       Datei des RTC-Geräts. Dabei wird angenommen, dass diese vom RTC-Treiber
       betrieben wird. Auch sind Linux-Systeme, die das RTC-Konzept mit Udev
       verwenden, in der Lage, mehrere Hardware-Uhren zu unterstützen. Damit
       könnte die Notwendigkeit entstehen, das Vorgabe-RTC-Gerät mit der Option
       --rtc außer Kraft zu setzen.

       Allerdings ist diese Methode nicht immer verfügbar, da ältere Systeme
       über keinen RTC-Treiber verfügen. Auf diesen Systemen hängt die Art des
       Zugriffs auf die Hardware-Uhr von der Art der Systemhardware ab.

       Auf einem ISA-kompatiblen System kann hwclock direkt über Ein- und
       Ausgaben der Ports 0x70 und 0x71 auf die CMOS-Speicherregister zugreifen,
       welche die Uhr darstellen. Es werden E/A-Anweisungen verwendet, was
       konsequenterweise nur funktionieren kann, wenn diese mit der effektiven
       Benutzerkennung des Superusers aufgerufen werden. Diese Methode kann
       durch Angabe der Option --directisa festgelegt werden.

       Dies ist eine recht armselige Methode, auf die Uhr zuzugreifen, vor allem
       deshalb, weil Programme auf Anwenderebene generell nicht dafür bestimmt
       sind, direkte E/A-Vorgänge auszuführen und Interrupts zu deaktivieren.
       hwclock bietet dies zum Testen, Fehlersuchen und da es auf
       ISA-kompatiblen Systemen, die über keinen funktionierenden
       RTC-Gerätetreiber verfügen, die einzige verfügbare Methode sein könnte.

   Die Adjust-Funktion
       Die Hardware-Uhr ist üblicherweise nicht sehr genau. Jedoch lässt sich
       die Genauigkeit recht gut vorhersagen – sie geht jeden Tag die gleiche
       Zeit vor oder nach. Dies nennt man die Systemabweichung. Mit der Funktion
       --adjust von hwclock können Sie die Systemabweichung der Hardware-Uhr
       korrigieren.

       Es funktioniert folgendermaßen: hwclock verwaltet die Datei /etc/adjtime,
       in der einige historische Informationen gespeichert sind. Diese Datei
       wird adjtime-Datei genannt.

       Nehmen wir an, Sie beginnen ohne adjtime-Datei. Sie rufen den Befehl
       hwclock --set auf, um die Hardware-Uhr auf die tatsächliche aktuelle Zeit
       zu stellen. hwclock legt die adjtime-Datei an und zeichnet darin die Zeit
       als jene der letzten Kalibrierung der Uhr auf. Fünf Tage später geht die
       Uhr 10 Sekunden vor, und Sie rufen hwclock --set --update-drift auf, um
       die Uhr 10 Sekunden zurückzustellen. hwclock aktualisiert die
       adjtime-Datei, zeichnet wiederum die aktuelle Zeit als den Zeitpunkt der
       letzten Kalibrierung auf, wobei diesmal 2 Sekunden pro Tag als
       systematische Abweichung protokolliert werden. 24 Stunden später rufen
       Sie den Befehl hwclock --adjust auf. hwclock befragt die adjtime-Datei
       und stellt fest, dass die Uhr, wenn sie nicht korrigiert wird, 2 Sekunden
       pro Tag vorgeht. So zieht es die 2 Sekunden von der Zeit der Hardware-Uhr
       ab, da die Uhr genau 24 Stunden nicht korrigiert wurde. Die aktuelle Zeit
       wird auch wieder als die Zeit der letzten Kalibrierung aufgezeichnet.
       Noch einmal 24 Stunden später funktioniert der Befehl hwclock --adjust
       wieder auf die gleiche Weise: hwclock zieht 2 Sekunden ab und
       aktualisiert die adjtime-Datei mit der aktuellen Zeit als letztem
       Kalibrierungszeitpunkt der Uhr.

       Wenn Sie die Option --update-drift mit --set oder --systohc verwenden,
       wird die automatische Abweichungsrate durch Vergleich der
       vollabweichungskorrigerten Hardware-Uhr mit der jetzt gesetzten Zeit
       (neu) berechnet. Daraus wird die 24-Stunden-Abweichungsrate basierend auf
       dem letzten kalibrierten Zeitstempel aus der Adjtime-Datei abgeleitet.
       Dieser aktualisierte Abweichungsfaktor wird dann in /etc/adjtime
       gespeichert.

       Kleinere Fehler schleichen sich beim Stellen der Hardware-Uhr ein, daher
       unterlässt --adjust Korrekturen von weniger als einer Sekunde. Wenn Sie
       zu einem späteren Zeitpunkt erneut die Uhr stellen wollen, wird die
       aufgesammelte Abweichung nun mehr als eine Sekunde betragen und --adjust
       führt die Korrektur einschließlich eines Bruchanteils aus.

       hwclock --hctosys verwendet auch die Adjtime-Dateidaten, um den Wert aus
       der Hardware-Uhr auszugleichen, bevor es die Systemuhr stellt. Es teilt
       nicht die 1-Sekunden-Begrenzung von --adjust und wird
       Teilsekundenabweichungen sofort korrigieren. Es ändert weder die
       Hardware-Uhr noch die Adjtime-Datei. Dies könnte die Notwendigkeit von
       --adjust beseitigen, außer etwas anderes auf dem System benötigt die
       Ausgleichung der Hardware-Uhr.

   Die Datei Adjtime
       Sie wurde wegen ihres früheren ausschließlichen Zwecks der Steuerung des
       Abgleichs so benannt und enthält außerdem Informationen, die hwclock für
       spätere Aufrufe speichert.

       Die adjtime-Datei verwendet folgendes Format, in ASCII:

       Zeile 1: drei Zahlen, durch Leerzeichen getrennt: 1) die systematische
       Abweichung in Sekunden pro Tag als dezimale Fließkommazahl; 2) die sich
       ergebende Anzahl der Sekunden seit 1969 Weltzeit gemäß der letzten
       Anpassung oder Kalibrierung als dezimale Ganzzahl; 3) Null (zwecks
       Kompatibilität zu clock(8)) als dezimale Gleitkommazahl.

       Zeile 2: eine Zahl: die sich ergebende Anzahl der Sekunden seit 1969
       Weltzeit gemäß der letzten Kalibrierung. Dies ist Null, falls noch keine
       Kalibrierung ausgeführt wurde oder eine frühere Kalibrierung fehlschlug
       (zum Beispiel wurde die Hardware-Uhr seit der Kalibrierung zwar gefunden,
       enthielt aber keine gültige Zeit). Dies ist eine dezimale Ganzzahl.

       Zeile 3: »UTC« oder »LOCAL«. Dies gibt an, ob die Hardware-Uhr auf lokale
       Zeit oder Weltzeit eingestellt ist. Sie können diesen Wert stets mit den
       Befehlszeilenoptionen zu hwclock außer Kraft setzen.

       Sie können eine adjtime-Datei, die früher bereits mit dem Programm
       clock(8) genutzt wurde, auch mit hwclock verwenden.

   Automatischer Abgleich der Hardware-Uhr durch den Kernel
       Es gibt auf einigen Systemen einen weiteren Weg, die Hardware-Uhr
       synchron zu halten. Der Linux-Kernel verfügt über einen Modus, in dem in
       Abständen von 11 Minuten die Systemzeit in die Hardware-Uhr kopiert wird.
       Dieser Modus wird beim Kompilieren ausgewählt, daher werden nicht alle
       Kernel über diese Fähigkeit verfügen. Dieser Modus ist sinnvoll, wenn Sie
       etwas Fortschrittliches wie NTP verwenden, um die Systemuhr synchron zu
       halten. (NTP bezeichnet die Synchronisation der Systemzeit entweder über
       einen Zeitserver im Netzwerk oder über eine an Ihrem System
       angeschlossene Funkuhr, siehe RFC 1305.)

       Falls der Kernel mit der Option »11-Minuten-Modus« übersetzt ist, wird er
       aktiv sein, wenn sich die Uhrdisziplin des Kernels in einem
       synchronisierten Zustand befindet. In diesem Zustand ist das Bit 6 (das
       Bit, das mit der Maske 0x0040 gesetzt wird) der Kernelvariablen
       time_status nicht gesetzt. Der Wert wird als »Status«-Zeile der Befehle
       adjtimex --print oder ntptime ausgegeben.

       Es bedarf eines Einflusses von außen, wie des NTP-Daemons, um die
       Uhrdisziplin des Kernels in einen synchronisierten Status zu bringen und
       damit den » 11-Minuten-Modus« zu aktivieren. Dieser kann durch die
       Ausführung von allem, die die Systemuhr auf die althergekommene Art
       setzt, wie hwclock --hctosys, wieder ausgeschaltet werden. Falls der
       NTP-Daemon allerdings noch läuft, wird er den » 11-Minuten-Modus« beim
       nächsten Synchronisieren der Systemuhr wieder einschalten.

       Falls Ihr System mit aktiviertem »11-Minuten-Modus« läuft, könnte die
       Verwendung von entweder --hctosys oder --systz in den Systemstartskripten
       notwendig sein, insbesondere falls die Hardware-Uhr auf die lokale
       Zeitskala konfiguriert ist. Falls der Kernel nicht informiert ist, unter
       welcher Zeitskala die Hardware-Uhr läuft, könnte er sie mit der falschen
       verfremden. Der Kernel verwendet standardmäßig UTC.

       Der erste Benutzerraumbefehl, der die Systemuhr setzt, informiert den
       Kernel, welche Zeitskala die Hardware-Uhr verwendet. Dies passiert über
       die Kernelvariable persistent_clock_is_local. Falls --hctosys oder
       --systz zuerst ist, wird es diese Variable entsprechend der Adjtime-Datei
       oder dem geeigneten Befehlszeilenargument setzen. Beachten Sie, dass der
       Einsatz dieser Fähigkeit erfordert, dass bei Änderung der
       Hardware-Uhr-Zeitskalenkonfiguration ein Systemneustart zur Information
       des Kernels benötigt wird.

       hwclock --adjust sollte nicht zusammen mit NTPs »11-Minute-Modus«
       verwandt werden.

   Jahrhundertwert der ISA-Hardware-Uhr
       Es gibt eine Art von Standard, der das CMOS-Speicherbyte 50 auf einer
       ISA-Maschine als Anzeiger für das aktuelle Jahrhundert verwendet. hwclock
       nutzt oder setzt dieses Byte nicht, da es einige Maschinen gibt, die das
       Byte nicht auf diese Weise definieren und es sowieso unnötig ist. Das
       year-of-century leistet gute Arbeit beim Ermitteln des aktuellen
       Jahrhunderts.

       Falls Sie einen echten Anwendungsfall für das CMOS-Century-Byte haben,
       kontaktieren Sie den Betreuer von hwclock, eine Option könnte hier
       zweckdienlich sein.

       Beachten Sie, dass dieser Abschnitt nur relevant ist, wenn Sie die
       »Direct ISA«-Methode für den Zugriff auf die Hardware-Uhr verwenden. ACPI
       bietet eine standardisierte Zugriffsmöglichkeit auf die Jahrhundertwerte
       an, sofern diese von der Hardware unterstützt werden.

DATUM-ZEIT-KONFIGURATION
   Zeit ohne externe Synchronisation erhalten
       Diese Diskussion basiert auf den folgenden Annahmen:

       • Es läuft nichts, das die Echtzeituhren ändert, wie ein NTP-Daemon oder
         ein Cron-Job.

       • Die Systemzeitzone ist für die korrekte lokale Zeit konfiguriert. Siehe
         unten unter POSIX kontra »KORREKT«.

       • Früh während des Systemstarts wird folgendes in dieser Reihenfolge
         aufgerufen:
         adjtimex --tick Wert --frequency Wert
         hwclock --hctosys

       • Während des Herunterfahrens wird folgendes aufgerufen:
         hwclock --systohc

           * Systeme ohne adjtimex können ntptime verwenden.

       Egal, ob eine Präzisionzeit mit einem NTP-Daemon verwaltet wird oder
       nicht, ist es sinnvoll, das System so konfigurieren, dass es allein eine
       vernünftig gute Datum-Uhrzeit hält.

       Im ersten Schritt dafür muss ein klares Verständnis des Gesamtbildes
       erreicht werden. Es gibt zwei komplett getrennte Hardwaregeräte, die
       alleine in ihrer eigenen Geschwindigkeit laufen und von der »korrekten«
       Zeit mit ihrer eigenen Rate abweichen. Die Methoden und Software für die
       Abweichungskorrektur unterscheiden sich für beide. Allerdings sind die
       meisten Systeme so konfiguriert, dass die beiden Uhren beim Systemstart
       und -herunterfahren die Werte austauschen. Dadurch werden die
       Fehlerkorrekturwerte der einzelnen Geräte zwischen beiden hin und her
       übertragen. Wird versucht, nur bei einem von ihnen eine
       Abweichungskorrektur vorzunehmen, wird die Abweichung des anderen Geräts
       darübergelegt.

       Dieses Problem kann bei Konfiguration der Abweichung der Systemuhr
       vermieden werden, indem die Maschine nicht heruntergefahren wird. Dies
       und der Tatsache, dass die gesamte Präzision von hwclock (einschließlich
       der Berechnung des Abweichungsfaktors) von der Korrektheit der
       Systemuhrrate abhängt, bedeutet, dass die Konfiguration der Systemuhr
       zuerst erfolgen sollte.

       Die Abweichung der Systemuhr wird mit den Optionen --tick und --frequency
       des Befehls adjtimex(8) korrigiert. Diese zwei Optionen arbeiten
       zusammen: »tick« ist die grobe und »frequency« die feine Anpassung. (Für
       Systeme, die kein Paket adjtimex haben, kann eventuell stattdessen
       ntptime -f ppm verwandt werden.)

       Einige Linux-Distributionen versuchen, die Abweichung der Systemuhr mit
       der Vergleichsaktion von adjtimex automatisch zu berechnen. Der Versuch,
       eine abweichende Uhr mittels einer anderen abweichenden Uhr als Referenz
       zu korrigieren, gleicht dem Versuch eines Hundes, seinen eigenen Schwanz
       zu fangen. Es mag irgendwann von Erfolg gekrönt sein, aber vorher ist
       großer Aufwand und viel Frust involviert. Diese Automatisierung mag eine
       Verbesserung gegenüber keiner Konfiguration sein, aber optimale
       Ergebnisse zu erwarten, wäre fehlerhaft. Eine bessere Wahl für eine
       manuelle Konfiguration wäre die Option --log von adjtimex.

       Es mag effizienter sein, einfach die Abweichung der Systemuhr mit sntp
       oder date -Ins und einem genauen Zeitstück nachzuverfolgen und dann die
       Abweichung manuell zu berechnen.

       Nach dem Setzen der Tick- und Frequenzwerte fahren Sie mit dem Prüfen und
       Verfeinern der Anpassungen fort, bis die Systemuhr eine gute Zeit hält.
       Siehe adjtimex(2) für weitere Informationen und ein Beispiel, das die
       manuelle Abweichungskorrektur zeigt.

       Sobald der Takt der Systemuhr sauber ist, widmen Sie sich der
       Hardware-Uhr.

       In der Regel funktioniert die kalte Abweichung in den meisten Fällen am
       besten. Dies sollte sogar auf Maschinen zutreffen, die 24/7 laufen und
       deren normale Auszeit aus einem Systemneustart besteht. In diesen Fällen
       stellt der Abweichungsfaktor kaum einen Unterschied dar. Aber in den
       seltenen Fällen, in denen die Maschine für eine längere Zeit
       ausgeschaltet wird, sollte die kalte Abweichung zu besseren Ergebnissen
       führen.

       Schritte zur Berechnung der kalten Abweichung:

       1 Stellen Sie sicher, dass kein NTP-Daemon beim Systemstart gestartet
         wird.

       2 Beim Herunterfahren muss die Zeit der Systemuhr korrekt sein!

       3 Fahren Sie das System herunter.

       4 Lassen Sie eine ausgedehnte Zeit vergehen, ohne die Hardware-Uhr zu
         ändern.

       5 Starten Sie das System.

       6 Verwenden Sie sofort hwclock, um die korrekte Zeit zu setzen, fügen Sie
         dabei die Option --update-drift hinzu.

       Hinweis: Falls in Schritt 6 --systohc verwandt wird, muss davor die
       Systemuhr korrekt gesetzt werden (Schritt 6a).

       Die Berechnung des Abweichungsfaktors mit hwclock ist ein guter
       Startpunkt, aber für optimale Ergebnisse wird es wahrscheinlich notwendig
       sein, dies durch direkte Bearbeitung der Datei /etc/adjtime anzupassen.
       Fahren Sie fort, den Abweichungsfaktor zu testen und verfeinern, bis die
       Hardware-Uhr beim Systemstart korrekt eingestellt ist. Um dies zu
       überprüfen, stellen Sie erst sicher, dass die Systemzeit vor dem
       Herunterfahren korrekt ist und dann verwenden Sie direkt nach dem Starten
       sntp oder date -Ins und eine Präzisionsuhr.

   LOKAL vs. UTC
       Wird die Hardware-Uhr in der lokalen Zeitskala betrieben, führt dies zu
       inkonsistenten Sommerzeitergebnissen:

       • Falls Linux während des Sommer-/Winterzeitwechsels läuft, wird die in
         die Hardware-Uhr geschriebene Zeit für die Änderung angepasst.

       • Falls Linux NICHT während des Sommer-/Winterzeitwechsels läuft, wird
         die von der Hardware-Uhr gelesene Zeit NICHT für die Änderung angepasst
         werden.

       Die Hardware-Uhr auf einem ISA-kompatiblen System hält nur ein Datum und
       eine Zeit. Sie kennt weder das Konzept der Zeitzone noch der
       Sommer-/Winterzeit. Daher nimmt hwclock, wenn ihm mitgeteilt wird, dass
       es in lokaler Zeit läuft, an, dass es sich in der »korrekten« lokalen
       Zeit befindet und führt keine Anpassungen für die aus ihr gelesene Zeit
       durch.

       Linux führt den Sommer-/Winterzeitwechsel nur korrekt durch, wenn die
       Hardware-Uhr in der UTC-Zeitskala läuft. Dies wird Systemadministratoren
       erleichtert, da hwclock die lokale Zeit für seine Ausgabe und als
       Argument für die Option --date verwendet.

       POSIX-Systeme sind wie Linux so entwickelt, dass die Systemuhr in der
       UTC-Zeitskala läuft. Der Zweck der Hardware-Uhr liegt darin, die
       Systemuhr zu initialisieren, daher ergibt ein Betrieb in UTC Sinn.

       Linux versucht allerdings, die Tatsache, dass sich die Hardware in der
       lokalen Zeitskala befindet, zu berücksichtigen. Dies dient primär dem
       dualen Systemstart mit älteren Versionen von MS Windows. Seit Windows 7
       soll der Registrierungsschlüssel RealTimeIsUniversal korrekt
       funktionieren, so dass die Hardware-Uhr in UTC gehalten werden kann.

   POSIX kontra »KORREKT«
       Eine Diskussion der Datum/Zeit-Konfiguration wäre allerdings
       unvollständig, ohne Zeitzonen zu behandeln. Dies wird gut in tzset(3)
       abgedeckt. Ein Punkt, für den es keine Dokumentation gibt, ist das
       »korrekte« Verzeichnis der Zeitzonendatenbank, manchmal auch tz oder
       Zoneinfo genannt.

       Es gibt zwei getrennte Datenbanken in dem Zoneinfo-System, POSIX und
       »korrekt«. »Korrekt« (jetzt Zoneinfo-leaps genannt) enthält
       Schaltsekunden, POSIX nicht. Um die »korrekte« Datenbank zu verwenden,
       muss die Systemuhr auf (UTC + Schaltsekunden) gesetzt sein, was zu
       (TAI - 10) äquivalent ist. Dies ermöglicht es, die genaue Anzahl von
       Sekunden zwischen zwei Daten zu berechnen, wenn dabei ein
       Schaltesekundenzeitraum durchlaufen wird. Die Systemuhr wird dann in die
       korrekte zivile Zeit, einschließlich UTC, umgewandelt, indem die
       »korrekten« Zeitzonendateien verwandt werden, die die Schaltsekunden
       abziehen. Hinweis: Diese Konfiguration wird als experimentell bezeichnet
       und hat bekanntermaßen Probleme.

       Um ein System zur Verwendung einer bestimmten Datenbank zu konfigurieren,
       müssen alle in seinem Verzeichnis befindliche Dateien in die Wurzel von
       /usr/share/zoneinfo kopiert werden. Dateien werden nie vom POSIX- oder
       »korrekten« Unterverzeichnis benutzt, z.B. TZ='right/Europe/Dublin'.
       Diese Gepflogenheit wurde so üblich, dass die Originalentwickler des
       Zoneinfo-Projekts den Systemdateibaum restrukturierten, indem sie die
       POSIX- und »korrekten« Unterverzeichnisse aus dem Zoeninfo-Verzeichnis
       und in benachbarte Verzeichnisse verschoben:

         /usr/share/zoneinfo
         /usr/share/zoneinfo-posix
         /usr/share/zoneinfo-leaps

       Unglücklicherweise ändern einige Linux-Distributionen dies in ihren
       Paketen wieder auf die alte Struktur zurück. Daher besteht das Problem
       der Systemadministratoren, die in das »korrekte« Unterverzeichnis
       hineingreifen, weiter fort. Dies führt dazu, dass die Systemzeitzone
       konfiguriert wird, Schaltsekunden zu beachten, während die
       Zoneinfo-Datenbank weiterhin so konfiguriert ist, sie auszuschließen.
       Wenn dann eine Anwendung wie die »World Clock« die Zeitzonendatei
       South_Pole benötigt oder ein E-Mail-MTA oder hwclock die
       UTC-Zeitzonen-Datei benötigen, holen sie sie von der Wurzel von
       /usr/share/zoneinfo, da das so von ihnen erwartet wird. Diese Dateien
       schließen Schaltsekunden aus, aber die Systemuhr berücksichtigt sie,
       wodurch eine falsche Umwandlung hervorgerufen wird.

       Der Versuch, Dateien aus diesen getrennten Datenbanken vermischt zu
       benutzen, wird nicht funktionieren, da sie von der Systemuhr verlangen,
       eine andere Zeitskala zu verwenden. Die Zoneinfo-Datenbank muss wie oben
       beschrieben konfiguriert werden, entweder die POSIX oder »korrekte« zu
       benutzen, oder indem der Umgebungsvariablen TZDIR ein Datenbankpfad
       zugewiesen wird.

EXIT-STATUS
       Eine der folgenden Rückgabewerte wird zurückgeliefert:

       EXIT_SUCCESS (»0« auf POSIX-Systemen)
              Erfolgreiche Programmausführung.

       EXIT_FAILURE (»1« auf POSIX-Systemen)
              Die Aktion ist fehlgeschlagen oder die Befehlssyntax war ungültig.

UMGEBUNGSVARIABLEN
       TZ     Falls diese Variable gesetzt ist, hat ihr Wert gegenüber der im
              System konfigurierten Zeitzone Vorrang.

       TZDIR  Falls diese Variable gesetzt ist, hat ihr Wert gegenüber dem im
              System konfigurierten Zeitzonendatenbankverzeichnispfad Vorrang.

DATEIEN
       /etc/adjtime
              Die Konfiguration und die Zustandsdateien für Hwclock.

       /etc/localtime
              Die Systemzeitzonendatei

       /usr/share/zoneinfo/
              Das System-Zeitzonen-Datenbankverzeichnis

       Gerätedateien, die hwclock für den Zugriff auf die Hardware-Uhr versuchen
       darf:
       /dev/rtc0
       /dev/rtc
       /dev/misc/rtc
       /dev/efirtc
       /dev/misc/efirtc

SIEHE AUCH
       date(1), adjtimex(8), gettimeofday(2), settimeofday(2), crontab(1p),
       tzset(3)

AUTOREN
       Geschrieben von Bryan Henderson, September 1996
       (bryanh@giraffe-data.com), basierend auf dem Programm clock(8) von
       Charles Hedrick, Rob Hooft und Harald Koenig. Im Quellcode finden Sie die
       vollständige Geschichte einschließlich der Danksagungen.

VERFÜGBARKEIT
       Der Befehl hwclock ist Teil des Pakets util-linux und kann von
       https://www.kernel.org/pub/linux/utils/util-linux/ heruntergeladen
       werden.


ÜBERSETZUNG
       Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Mario Blättermann
       <mario.blaettermann@gmail.com>, Dr. Tobias Quathamer <toddy@debian.org>
       und Helge Kreutzmann <debian@helgefjell.de> erstellt.

       Diese Übersetzung ist Freie Dokumentation; lesen Sie die GNU General
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       Sie bitte eine E-Mail an <debian-l10n-german@lists.debian.org>.



util-linux                          Juli 2017                         HWCLOCK(8)