fchown

CHOWN(2)                   Linux-Programmierhandbuch                  CHOWN(2)



BEZEICHNUNG
       chown, fchown, lchown, fchownat - Besitzverhältnisse einer Datei
       ändern

ÃBERSICHT
       #include <unistd.h>

       int chown(const char *pathname, uid_t owner, gid_t group);
       int fchown(int fd, uid_t owner, gid_t group);
       int lchown(const char *pathname, uid_t owner, gid_t group);

       #include <fcntl.h>           /* Definition der AT_*-Konstanten */
       #include <unistd.h>

       int fchownat(int dirfd, const char *pathname,
                    uid_t owner, gid_t group, int flags);

   Mit Glibc erforderliche Makros (siehe feature_test_macros(7)):

       fchown(), lchown():
           /* Seit Glibc 2.12: */ _POSIX_C_SOURCE >= 200809L
               || _XOPEN_SOURCE >= 500
               || /* Glibc-Versionen <= 2.19: */ _BSD_SOURCE
       fchownat():
           Seit Glibc 2.10:
               _POSIX_C_SOURCE >= 200809L
           Vor Glibc 2.10:
               _ATFILE_SOURCE

BESCHREIBUNG
       Diese Systemaufrufe ändern den Eigentümer und die Gruppe einer Datei.
       Die Systemaufrufe fchown() und lchown() unterscheiden sich nur in der
       Angabe der Datei:

       * chown() ändert die Besitzverhältnisse der von pathname angegebenen
         Datei. Falls das ein symbolischer Link ist, wird er dereferenziert.

       * fchown() ändert die Besitzverhältnisse der Datei, die über den
         offenen Dateideskriptor fd festgelegt wird.

       * lchown() ist wie chown(), dereferenziert aber keine symbolischen
         Links.

       Nur ein privilegierter Prozess (Linux: verfügt über die
       CAP_CHOWN-Capability) kann den Eigentümer einer Datei ändern. Der
       Eigentümer einer Datei kann die Gruppenzugehörigkeit der Datei in
       jede Gruppe ändern, der er selber angehört. Ein privilegierter
       Prozess (Linux: mit CAP_SHOWN) kann die Gruppenzugehörigkeit beliebig
       ändern.

       Falls owner oder group als -1 übergeben werden, dann wird diese ID
       nicht geändert.

       Wird der Eigentümer oder die Gruppe einer ausführbaren Datei von
       einem nicht privilegierten Nutzer geändert, werden die Modus-Bits
       S_ISUID und S_ISGID gelöscht. POSIX legt nicht fest, ob dies auch dann
       geschehen sollte, wenn Root das chown() durchführt. Das Verhalten von
       Linux ist in diesem Falle abhängig von der Kernel-Version; seit Linux
       2.2.13 wird root wie jeder andere Benutzer behandelt. Falls die Datei
       für die Gruppe nicht ausführbar ist (d.h. eine, für die das
       S_IXGRP-Bit nicht gesetzt ist), zeigt das S_ISGID-Bit verbindliche
       Sperren (mandatory locks) für die Datei an und wird nicht durch ein
       chown() gelöscht.

       Wenn der Eigentümer oder die Gruppe einer Programmdatei (durch
       igendeinen Benutzer) geändert werden, werden alle Capability-Mengen
       für diese Datei zurückgesetzt.

   fchownat()
       Der Systemaufruf fchownat() funktioniert genauso wie chown, auÃer den
       hier beschriebenen Unterschieden.

       Falls der in pathname übergebene Pfadname relativ ist wird er als
       relativ zu dem im Dateideskriptor dirfd referenzierten Verzeichnis
       interpretiert (statt relativ zum aktuellen Arbeitsverzeichnis des
       aufrufenden Prozesses, wie es bei chown() für einen relativen
       Pfadnamen erfolgt).

       Falls pathname relativ ist und dirfd den besonderen Wert AT_FDCWD
       annimmt wird pathname als relativ zum aktuellen Arbeitsverzeichnis des
       aufrufenden Prozesses interpretiert (wie chown()).

       Falls Pfadname absolut ist wird dirfd ignoriert.

       Das Schalter-Argument ist eine Bitmaske, die durch bitweises ODER null
       oder mehr der folgenden Werte enthält:

       AT_EMPTY_PATH (seit Linux 2.6.39)
              Falls Pfadname eine leere Zeichenkette ist, wird mit der Datei
              gearbeitet, auf die dirfd verweist (dies kann mit dem
              O_PATH-Schalter von open(2) ermittelt werden). In diesem Fall
              kann sich dirfd auf jeden Dateityp beziehen, nicht nur einem
              Verzeichnis. Falls dirfd AT_FDCWD ist, erfolgt der Aufruf im
              aktuellen Arbeitsverzeichnis. Dieser Schalter ist
              Linux-spezifisch; definieren Sie _GNU_SOURCE, um dessen
              Definition zu ermitteln.

       AT_SYMLINK_NOFOLLOW
              Wenn der Pfadname ein symbolischer Link ist, wird er nicht
              dereferenziert: es wird stattdessen mit dem Link selbst
              gearbeitet, wie bei lchown(). In der Voreinstellung
              dereferenziert fchownat() symbolische Links, wie chown().

       Lesen Sie openat(2) für eine Beschreibung der Notwendigkeit von
       fchownat().

RÃCKGABEWERT
       Bei Erfolg wird Null zurückgegeben. Bei einem Fehler wird -1
       zurückgegeben und errno entsprechend gesetzt.

FEHLER
       Je nach Dateisystem können andere als die unten aufgeführten Fehler
       zurückgegeben werden.

       Die allgemeineren Fehler von fchown() sind im Folgenden aufgeführt:

       EACCES Eine Komponente des Pfad-Präfix darf nicht durchsucht werden.
              (Siehe auch path_resolution(7).)

       EFAULT pathname zeigt aus dem für Sie zugänglichen Adressraum heraus.

       ELOOP  Bei der Auflösung von pathname wurden zu viele symbolische
              Links gefunden.

       ENAMETOOLONG
              pathname ist zu lang.

       ENOENT Die Datei existiert nicht.

       ENOMEM Es war nicht genügend Kernelspeicher verfügbar.

       ENOTDIR
              Eine Komponente des Pfad-Präfixes ist kein Verzeichnis.

       EPERM  Der aufrufende Prozess hatte nicht die benötigten Rechte (siehe
              oben), um den Eigentümer und/oder die Gruppe zu ändern.

       EPERM  Die Datei ist als unveränderlich oder nur-anhängbar markiert
              (siehe ioctl_iflags(2))

       EROFS  Die angegebene Datei befindet sich auf einem nur lesbaren
              (read-only) Dateisystem.

       Die allgemeinen Fehler von fchown() sind im Folgenden aufgeführt:

       EBADF  fd ist kein zulässiger offener Dateideskriptor.

       EIO    Bei der Bearbeitung des Inodes trat ein system-/hardwarenaher
              E/A-Fehler (engl. I/O) auf.

       ENOENT Siehe oben.

       EPERM  Siehe oben.

       EROFS  Siehe oben.

       Die gleichen Fehler, die bei chown() auftreten, können auch bei
       fchownat auftreten. Die folgenden zusätzlichen Fehler können bei
       fchownat() auftreten:

       EBADF  dirfd ist kein zulässiger Dateideskriptor.

       EINVAL Unzulässiger Schalter in flags angegeben.

       ENOTDIR
              Pfadname ist relativ und dirfd ist ein Dateideskriptor, der sich
              auf eine Datei bezieht, die kein Verzeichnis ist.

VERSIONEN
       fchownat() wurde zu Linux in Kernel 2.6.16 hinzugefügt;
       Bibliotheksunterstützung wurde in Glibc in Version 2.4 hinzugefügt.

KONFORM ZU
       chown(), fchown(), lchown(): 4.4BSD, SVr4, POSIX.1-2001, POSIX.1-2008.

       Die Version aus 4.4BSD kann nur vom Superuser verwendet werden (d.h.
       normale Benutzer können keine Dateien weggeben).

       fchownat(): POSIX.1-2008.

ANMERKUNGEN
   Eigentümerschaft neuer Dateien
       Wenn eine neue Datei erzeugt wird (zum Beispiel durch open(2) oder
       mkdir(2)), wird der Eigentümer der gleiche wie die
       Dateisystem-Benutzer-ID des erzeugenden Prozesses. Die Gruppe der Datei
       hängt von einer Reihe von Faktoren ab, einschlieÃlich der Art des
       Dateisystems, den beim Einhängen des Dateisystems verwendeten Optionen
       und der (Nicht-) Aktivierung des Set-Group-ID-Modusbits für das
       Elternverzeichnis. Falls das Dateisystem die Optionen -o grpid (oder
       synonym -o bsdgroups) und -o 0grpid (oder synonym -o sysvgroups) von
       mount(8) unterstützt, dann sind die Vorschriften wie folgt:

       * Falls das Dateisystem mit -o grpid eingehängt wurde, wird die Gruppe
         der neuen Datei vom Elternverzeichnis übernommen.

       * Falls das Dateisystem mit -o nogrpid eingehängt wurde und das
         Set-Group-ID-Bit wurde für das Elternverzeichnis deaktiviert, wird
         die Gruppe einer neuen Datei auf die Dateisystem-GID des Prozesses
         gesetzt.

       * Falls das Dateisystem mit -o nogrpid eingehängt wurde und das
         Set-Group-ID-Bit wurde für das Elternverzeichnis aktiviert, wird die
         Gruppe einer neuen Datei vom Elternverzeichnis übernommen.

       Unter Linux 4.12 werden die Einhängeoptionen -o grpid und -o nogrpid
       von ext2, ext3, ext4 und XFS unterstützt. Dateisysteme, die diese
       Optionen nicht unterstützen, folgen den -o nogrpid-Regeln.

   Anmerkungen zur Glibc
       Mit älteren Kernels, in denen fchownat() nicht verfügbar ist, weicht
       die Glibc-Wrapper-Funktion auf chown() und lchown() aus. Wenn Pfadname
       ein relativer Pfadname ist, dann konstruiert die Glibc einen Pfadnamen,
       der auf jenem symbolischen Link in /proc/self/fd, der dem Argument
       dirfd entspricht.

   NFS
       Die Semantik von chown() wird auf NFS-Dateisystemen mit aktiviertem
       UID-Mapping bewusst verletzt. AuÃerdem wird bei allen Systemaufrufen,
       die auf den Dateiinhalt zugreifen, die Semantik verletzt, da chown()
       einen sofortigen Entzug des Zugriffs bei bereits geöffneten Dateien
       bewirken kann. Zwischenspeicherung (Caching) seitens des Clients kann
       zu einer Verzögerung zwischen dem Zeitpunkt der Ãnderung der
       Besitzverhältnisse, um einem Benutzer Zugriff zu ermöglichen, und dem
       Zeitpunkt, zu dem er auf anderen Clients tatsächlich zugreifen kann,
       führen.

   Historische Details
       Die ursprünglichen Linux-Systemaufrufe chown(), fchown() und lchown()
       unterstützten nur 16-Bit-Benutzer- und Gruppenkennungen. AnschlieÃend
       fügte Linux 2.4 chown32(), fchown32() und lchown32() zur
       Unterstützung von 32-Bit-Kennungen hinzu. Die Glibc-Wrapper-Funktionen
       chown(), fchown() und lchown() gehen transparent mit den Variationen
       zwischen den Kernel-Versionen um.

       In Linux-Versionen vor 2.1.81 (auÃer 2.1.46) folgte chown() nicht
       symbolischen Links. Seit Linux 2.1.81 folgt chown() symbolischen Links
       und es gibt einen neuen Systemaufruf lchown(), der symbolischen Links
       nicht folgt. Ab Linux 2.1.86 hat dieser neue Aufruf (der die gleiche
       Semantik wie das alte chown() hat) die gleiche Systemaufruf-Nummer
       (syscall number) und chown() erhielt die neu eingeführte Nummer.

BEISPIEL
       Das folgende Programm ändert den Eigentümer der Datei im zweiten
       Befehlszeilen-Argument auf den Wert, der als erstes
       Befehlszeilen-Argument angegeben wird. Der neue Besitzer kann entweder
       als numerische Benutzerkennung oder als Benutzername (die mittels
       getpwnam(3) durch einen Suchlauf in der System-Passwortdatei in eine
       Benutzerkennung umgewandelt wird) angegeben werden.

   Programmquelltext
       #include <pwd.h>
       #include <stdio.h>
       #include <stdlib.h>
       #include <unistd.h>

       int
       main(int argc, char *argv[])
       {
           uid_t uid;
           struct passwd *pwd;
           char *endptr;

           if (argc != 3 || argv[1][0] == '\0') {
               fprintf(stderr, "%s <Eigentümer> <Datei>\n", argv[0]);
               exit(EXIT_FAILURE);
           }

           uid = strtol(argv[1], &endptr, 10); /* eine numerische Zeichenkette
                                                  erlauben */

           if (*endptr != '\0') {         /* String war nicht rein numerisch */
               pwd = getpwnam(argv[1]);   /* versuchen, UID für den Benutzernamen
                                             zu bestimmen */
               if (pwd == NULL) {
                   perror("getpwnam");
                   exit(EXIT_FAILURE);
               }

               uid = pwd->pw_uid;
           }

           if (chown(argv[2], uid, -1) == -1) {
               perror("chown");
               exit(EXIT_FAILURE);
           }

           exit(EXIT_SUCCESS);
       }

SIEHE AUCH
       chgrp(1), chown(1), chmod(2), flock(2), path_resolution(7), symlink(7)

KOLOPHON
       Diese Seite ist Teil der Veröffentlichung 5.03 des Projekts
       Linux-man-pages. Eine Beschreibung des Projekts, Informationen, wie
       Fehler gemeldet werden können sowie die aktuelle Version dieser Seite
       finden sich unter https://www.kernel.org/doc/man-pages/.


ÃBERSETZUNG
       Die deutsche Ãbersetzung dieser Handbuchseite wurde von Florian Jenn
       <jennf@tu-cottbus.de>, Martin Eberhard Schauer
       <Martin.E.Schauer@gmx.de>, Mario Blättermann
       <mario.blaettermann@gmail.com>, Dr. Tobias Quathamer <toddy@debian.org>
       und Helge Kreutzmann <debian@helgefjell.de> erstellt.

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Linux                            6. März 2019                        CHOWN(2)