os-release

OS-RELEASE(5)                      os-release                      OS-RELEASE(5)



BEZEICHNUNG
       os-release - Betriebssystemidentifikation

ÜBERSICHT
       /etc/os-release

       /usr/lib/os-release

BESCHREIBUNG
       Die Dateien /etc/os-release und /usr/lib/os-release enthalten
       Betriebssystemidentifizierungsdaten.

       Das grundlegende Dateiformat von os-release ist eine durch Zeilenumbrüche
       getrennte Liste von umgebungsartigen, Shell-kompatiblen
       Variablenzuweisungen. Es ist möglich, die Konfiguration aus
       Shell-Skripten einzulesen, allerdings werden außer einfachen
       Variablenzuweisungen keine Shell-Funktionalitäten unterstützt. (Das
       bedeutet, Variablenexpansion wird explizit nicht unterstützt). Damit wird
       Anwendungen erlaubt, die Datei einzulesen, ohne eine Shell-kompatible
       Ausführungseinheit zu implementieren. Variablenzuweisungen müssen in
       doppelte oder einzelne englische Anführungszeichen eingeschlossen werden,
       falls sie Leerzeichen, Semikola oder andere besondere Zeichen außerhalb
       von A…Z, a…z, 0…9 enthalten. Besondere Zeichen der Shell (»$«,
       Anführungszeichen, Rückwärtsschrägstrich, Gravis) müssen im Shell-Stil
       mit Rückwärtsschrägstrichen geschützt werden. Alle Zeichenketten sollten
       im UTF-8-Format sein und nicht druckbare Zeichen sollten nicht verwandt
       werden. Die Aneinanderreihung individueller Zeichenketten in
       Anführungszeichen wird nicht unterstützt. Zeilen, die mit »#« beginnen,
       müssen als Kommentar ignoriert werden. Leere Zeilen sind erlaubt und
       werden ignoriert.

       Die Datei /etc/os-release hat vor /usr/lib/os-release Vorrang.
       Anwendungen sollten auf erstere prüfen und deren Daten exklusiv nutzen,
       falls sie exsitiert, und nur auf /usr/lib/os-release zurückfallen, falls
       sie fehlt. Anwendungen sollten nicht aus beiden Dateien gleichzeitig
       Daten auslesen. /usr/lib/os-release ist der bevorzugte Ort, um
       Betriebssystemveröffentlichungsinformationen wie Teile des
       Lieferantenbaums abzulegen. /etc/os-release sollte ein relativer Symlink
       auf /usr/lib/os-release sein, um Kompatibilität für Anwendungen
       bereitzustellen, die nur nach /etc/ schauen. Ein relativer Symlink
       anstatt eines absoluten ist notwendig, damit der Link auch in einer
       Chroot oder Initrd-Umgebung wie Dracut funktioniert.

       os-release enthält Daten, die durch den Betriebssystemlieferanten
       definiert werden und sollte im Allgemeinen durch den Administrator nicht
       geändert werden.

       Da diese Datei nur Namen und Kennungen kodiert, sollte sie nicht
       lokalisiert werden.

       Die Dateien /etc/os-release und /usr/lib/os-release können Symlinks auf
       andere Dateien sein, aber es ist wichtig, dass diese Datei vom frühsten
       Zeitpunkt des Systemstarts an verfügbar ist, und sie muss sich daher auf
       dem Wurzeldateisystem befinden.

       Für eine längere Begründung für os-release lesen Sie bitte die
       Ankündigung von /etc/os-release[1].

OPTIONEN
       Die folgenden Betriebssystemidentifikationsparameter können mittels
       os-release gesetzt werden:

       NAME=
           Eine Zeichenkette, die das Betriebssystem identifiziert, ohne
           Versionskomponente und für die Anzeige beim Benutzer geeignet. Falls
           nicht gesetzt, standardmäßig »NAME=Linux«. Beispiele: »NAME=Fedora«
           oder »NAME="Debian GNU/Linux"«.

       VERSION=
           Eine Zeichenkette, die die Betriebssystemversion identifiziert, ohne
           irgendeinen Betriebssystemnamen, möglicherweise einschließlich eines
           Code-Namens für das Release, und für die Anzeige beim Benutzer
           geeignet. Dieses Feld ist optional. Beispiele: »VERSION=17« oder
           »VERSION="17 (Beefy Miracle)"«.

       ID=
           Eine Zeichenkette in Kleinbuchstaben (keine Leerzeichen oder andere
           Zeichen außerhalb von 0…9, a…z, ».«, »_« und »-«), die das
           Betriebssystem identifiziert, ohne irgendwelche Versionsinformationen
           und geeignet für die Verarbeitung durch Skripte oder zur Verwendung
           in erstellten Dateinamen. Falls nicht gesetzt, standardmäßig
           »ID=linux«. Beispiele: »ID=fedora« oder »ID=debian«.

       ID_LIKE=
           Eine durch Leerzeichen getrennte Liste von Betriebssystemkennungen in
           der gleichen Syntax wie die Einstellung ID=. Sie sollte Kennungen von
           Betriebssystemen auflisten, die eng in Zusammenhang zu dem lokalen
           Betriebssystem im Hinblick auf Paketierung und
           Programmierschnittstellen sind, beispielsweise eine oder mehrere
           Betriebssystemkennungen auflisten, von denen das lokale
           Betriebssystem abgeleitet ist. Ein Betriebssystem sollte im
           Allgemeinen nur andere Betriebssystemkennungen auflisten, von denen
           es selbst abgeleitet ist, und nicht andere Betriebssysteme, die von
           ihm abgeleitet sind, obwohl symmetrische Beziehungen möglich sind.
           Bauskripte und ähnliches könnten diese Variable überprüfen, falls sie
           das lokale Betriebssystem identifizieren müssen und der Wert von ID=
           nicht erkannt wird. Betriebssysteme sollten in der Reihenfolge
           aufgelistet werden, wie eng das lokale Betriebssystem in Bezug zu den
           aufgeführten steht, beginnend mit dem engsten. Dieses Feld ist
           optional. Beispiele: Für ein Betriebssystem mit »ID=centos« wäre eine
           Zuweisung von »ID_LIKE="rhel fedora"« geeeignet. Für ein
           Betriebssystem mit »ID=ubuntu« ist eine Zuweisung »ID_LIKE=debian«
           geeignet.

       VERSION_CODENAME=
           Eine Zeichenkette in Kleinbuchstaben (keine Leerzeichen oder andere
           Zeichen außerhalb von 0…9, a…z, ».«, »_« und »-«), die den
           Release-Namen des Betriebssystems identifiziert, ohne irgendwelche
           Betriebssystemnamensinformationen oder Release-Versionen und geeignet
           für die Verarbeitung durch Skripte oder zur Verwendung in erstellten
           Dateinamen. Dieses Feld ist optional und könnte nicht auf allen
           Systemen implementiert sein. Beispiele: »VERSION_CODENAME=buster«,
           »VERSION_CODENAME=xenial«

       VERSION_ID=
           Eine Zeichenkette in Kleinbuchstaben (keine Leerzeichen oder andere
           Zeichen außerhalb von 0…9, a…z, ».«, »_« und »-«), die die
           Betriebssystemversion identifiziert, ohne irgendwelche
           Betriebssystemnamensinformationen oder Release-Code-Namen und
           geeignet für die Verarbeitung durch Skripte oder zur Verwendung in
           erstellten Dateinamen. Dieses Feld ist optional. Beispiele:
           »VERSION_ID=17« oder »VERSION_ID=11.04«.

       PRETTY_NAME=
           Ein schöner Betriebssystemname in einem Format, das zur Darstellung
           bei Benutzern geeignet ist. Wie passend kann dies auf irgendeine Art
           den Release-Code-Namen oder die Betriebssystemversion enthalten oder
           auch nicht. Falls nicht gesetzt, ist die Vorgabe
           »PRETTY_NAME="Linux"«. Beispiele: »PRETTY_NAME="Fedora 17 (Beefy
           Miracle)"«.

       ANSI_COLOR=
           Eine vorgeschlagene Farbe zur Darstellung des Betriebssystemnamens
           auf der Konsole. Dies sollte als Zeichenkette angegeben werden, die
           zur Einbindung in den »ESC [ m ANSI/ECMA-48«-Maskierungscode zum
           Setzen der graphischen Bildwiedergabe geeignet ist. Dieses Feld ist
           optional. Beispiele: »ANSI_COLOR="0;31" für rot, »ANSI_COLOR="1;34"«
           für helles blau oder »ANSI_COLOR="0;38;2;60;110;180"« für
           Fedora-blau.

       CPE_NAME=
           Ein CPE-Name für das Betriebssystem, in URI-Anbindungssyntax, gemäß
           der Gemeinsamen Plattform-Aufzählungs-Spezifikation[2], wie von NIST
           vorgeschlagen. Dieses Feld ist optional. Beispiel:
           »CPE_NAME="cpe:/o:fedoraproject:fedora:17"«

       HOME_URL=, DOCUMENTATION_URL=, SUPPORT_URL=, BUG_REPORT_URL=,
       PRIVACY_POLICY_URL=
           Links auf Ressourcen im Internet mit Bezug zu dem Betriebssystem.
           HOME_URL= sollte sich auf die Homepage des Betriebssystems oder
           alternativ auf die Homepage der bestimmten Version des
           Betriebssystems beziehen. DOCUMENTATION_URL= sollte sich auf die
           Hauptdokumentationsseite für dieses Betriebssystem beziehen.
           SUPPORT_URL= sollte sich auf die Hauptseite für Unterstützung für das
           Betriebssystem beziehen, falls es eine solche gibt. Dies ist
           hauptsächlich für Anbieter, die Unterstützung dafür bereitstellen.
           BUG_REPORT_URL= sollte sich auf die Hauptseite für die
           Fehlerdatenbank für das Betriebssystem beziehen, falls es eine solche
           gibt. Dies ist hauptsächlich für Betriebssysteme gedacht, die sich
           auf Qualitätssicherung der Gemeinschaft verlassen.
           PRIVACY_POLICY_URL= sollte sich auf die Hauptseite der
           Datenschutzrichtlinie für das Betriebssystem beziehen, falls es eine
           solche gibt. Diese Einstellungen sind optional und es ist typisch,
           das nur ein Teil dieser Einstellungen bereitgestellt werden. Diese
           URLs sind für die Angabe in Oberflächen »Über dieses System« gedacht,
           unter Links mit den Überschriften »Über dieses Betriebssystem«,
           »Hilfe erhalten«, »Einen Fehler berichten« oder
           »Datenschutzrichtlinie«. Diese Werte sollten im RFC3986-Format[3]
           sein und sollten »http:«- oder »https:«-URLs und möglicherweise
           »mailto:« oder »tel:« sein. Für jede Einstellung darf nur eine URL
           aufgelistet werden. Falls mehrere Ressourcen referenziert werden
           müssen, wird empfohlen, eine Online-Anlaufstelle bereitzustellen, auf
           der alle verfügbaren Ressourcen verlinkt sind. Beispiele:
           »HOME_URL="https://fedoraproject.org/« und
           »BUG_REPORT_URL="https://bugzilla.redhat.com/BUILD_ID=
           Eine Zeichenkette, die das Systemabbild identifiziert, das als
           Ursprung für eine Distribution verwandt wurde (und nicht mit
           Systemaktualisierungen aktualisiert wird). Das Feld kann bei
           verschiedenen VERSION_IDs identisch sein, da BUILD_ID nur eine
           eindeutige Kennung für eine bestimmte Version ist. Distributionen,
           die jede Aktualisierung als eine neue Version veröffentlichen,
           müssten nur VERSION_ID verwenden, da jeder Bau bereits aufgrund der
           VERSION_ID unterscheidbar ist. Dieses Feld ist optional. Beispiele:
           »BUILD_ID="2013-03-20.3"« oder »BUILD_ID=201303203«.

       VARIANT=
           Eine Zeichenkette, die eine spezielle Variante oder Edition des
           Betriebssystems identifiziert, die zur Darstellung bei Benutzern
           geeignet ist. Dieses Feld kann den Benutzer darüber informieren, dass
           die Konfiguration dieses Systems einer speziellen abweichenden Gruppe
           von Regeln oder einer Standardkonfigurationseinstellung unterliegt.
           Dieses Feld ist optional und könnte nicht auf allen Systemen
           implementiert sein. Beispiele: »VARIANT="Server Edition"«,
           »VARIANT="Intelliegenter-Kühlschrank-Edition"«. Beachten Sie: Dieses
           Feld dient nur Anzeigezwecken. Für programmgesteuerte Entscheidungen
           sollte das Feld VARIANT_ID benutzt werden.

       VARIANT_ID=
           Eine Zeichenkette in Kleinbuchstaben (keine Leerzeichen oder andere
           Zeichen außerhalb von 0…9, a…z, ».«, »_« und »-«), die eine spezielle
           Variante oder eine spezielle Edition des Betriebssystems
           identifiziert. Dies kann von anderen Paketen interpretiert werden, um
           eine abweichende Standardkonfiguration zu ermitteln. Dieses Feld ist
           optional und könnte nicht auf allen Systemen implementiert sein.
           Beispiele: »VARIANT_ID=server«, »VARIANT_ID=embedded«

       LOGO=
           Eine Zeichenkette, die den Namen eines Icons wie er in der
           Freedesktop.org-Icon-Thema-Spezifikation[4] definiert ist, angibt.
           Dies kann von graphischen Anwendungen zur Darstellung eines Logos des
           Betriebssystems oder des Distributors verwandt werden. Dieses Feld
           ist optional und muss nicht notwendigerweise auf allen Systemen
           implementiert sein. Beispiele: »LOGO=fedora-logo«,
           »LOGO=distributor-logo-opensuse«

       Falls Sie diese Datei aus C-Code oder einem Shell-Skript einlesen, um das
       Betriebssystem oder eine bestimmte Version davon zu ermitteln, benutzen
       Sie die Felder ID und VERSION_ID, möglicherweise mit ID_LIKE als
       Rückfallwert. Wenn Sie nach einer Betriebssystemkennungszeichenkette für
       die Darstellung beim Benutzer suchen, verwenden Sie das Feld PRETTY_NAME.

       Beachten Sie, dass Betriebssystemanbieter sich entscheiden könnten, keine
       Versionsinformationen zu liefern, beispielsweise um rollende
       Veröffentlichungen (»rolling releases«) zu berücksichtigen. In diesen
       Fällen können VERSION und VERSION_ID ungesetzt sein. Anwendungen sollte
       sich nicht darauf verlassen, dass diese Felder gesetzt sind.

       Betriebssystemanbieter können das Dateiformat erweitern und neue Felder
       einführen. Es wird nachdrücklich empfohlen, neuen Feldern einen
       betriebssystemspezifischen Namen voranzustellen, um Namenskollisionen zu
       vermeiden. Anwendungen, die diese Datei lesen, müssen unbekannte Felder
       ignorieren. Beispiel: »DEBIAN_BTS="debbugs://bugs.debian.org/"«

       Verwalter von Containern und Sandbox-Laufzeitumgebungen können die
       Identifizierungsdaten des Rechners Anwendungen zur Verfügung stellen,
       indem sie die Datei /etc/os-release (falls verfügbar, andernfalls
       /usr/lib/os-release als Rückfalloptione) als /run/host/os-release
       bereitstellen.

BEISPIEL
           NAME=Fedora
           VERSION="32 (Workstation Edition)"
           ID=fedora
           VERSION_ID=32
           PRETTY_NAME="Fedora 32 (Workstation Edition)"
           ANSI_COLOR="0;38;2;60;110;180"
           LOGO=fedora-logo-icon
           CPE_NAME="cpe:/o:fedoraproject:fedora:32"
           HOME_URL="https://fedoraproject.org/"
           DOCUMENTATION_URL="https://docs.fedoraproject.org/en-US/fedora/f32/system-administrators-guide/"
           SUPPORT_URL="https://fedoraproject.org/wiki/Communicating_and_getting_help"
           BUG_REPORT_URL="https://bugzilla.redhat.com/"
           REDHAT_BUGZILLA_PRODUCT="Fedora"
           REDHAT_BUGZILLA_PRODUCT_VERSION=32
           REDHAT_SUPPORT_PRODUCT="Fedora"
           REDHAT_SUPPORT_PRODUCT_VERSION=32
           PRIVACY_POLICY_URL="https://fedoraproject.org/wiki/Legal:PrivacyPolicy"
           VARIANT="Workstation Edition"
           VARIANT_ID=workstation

SIEHE AUCH
       systemd(1), lsb_release(1), hostname(5), machine-id(5), machine-info(5)

ANMERKUNGEN
        1. Ankündigung von /etc/os-release
           http://0pointer.de/blog/projects/os-release

        2. Gemeinsame Plattform-Aufzählungs-Spezifikation
           http://scap.nist.gov/specifications/cpe/

        3. RFC-3986-Format
           https://tools.ietf.org/html/rfc3986

        4. freedesktop.org-Icon-Thema-Spezifikation
           http://standards.freedesktop.org/icon-theme-spec/latest


ÜBERSETZUNG
       Die deutsche Übersetzung dieser Handbuchseite wurde von Helge Kreutzmann
       <debian@helgefjell.de> erstellt.

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